Ein Papst schlägt Leck

Es gab mal eine Zeit in der es möglich war die Verbreitung medialer Inhalte einzudämmen. In so einer Zeit ist der derzeitige Papst der römisch-katholischen Kirche aufgewachsen. Ebenso ist er in einer Zeit aufgewachsen, in der man als Papst Respekt genoss. Nicht unbedingt der eigentlichen Aussprüche wegen, sondern eben weil man Papst war. 

 

Diese Zeiten sind vor bei. Das Internet überspringt, untergräbt, unterwandert beinahe jede Form von Zensur. Alles lässt sich verbreiten. Genauso sind die Zeiten vorbei, in denen man als Papst auch denen etwas zu sagen hatte, die sich nicht zum erweiterten Glaubenskreis rechneten. Beides scheint die Kirche nicht so ganz begriffen zu haben. 

Ratzinger reagierte heute auf das Titelbild der Titanic, welches ihn höchstpersönlich mit beflecktem Schritt zeigt mit einer einstweiligen Verfügung, laut der die Zeitschrift das Titelbild zurück nehmen müsse. Untertitelt war das Bild mit den Worten “Die undichte Stelle ist gefunden!”, womit auf die Vatileaks-Affäre angespielt wurde. 

Über den momentanen Stand der Debatte kann man sich in zahlreichen namhaften Online-Magazinen informieren und sich an der Absurdität des ganzen gütlich tun. Jedoch frage Ich mich, wie weit sich die Kirche eigentlich noch in die Missgunst derer bringen will, die sich nicht zu ihren Schafen rechnen. Über interne Kritik möchte ich mich an dieser Stelle nicht äußern, da ich mich eben nicht zu den pro-christlichen oder besonders Gläubigen Menschen zähle, allerdings stelle ich mir eine Frage. 

 Wer ist der PR-Berater von Ratzinger? In einer Welt in der man es verurteilt wenn Propheten mit explosiven Kopftüchern gezeigt werden und man sich danach auch noch über die Empörung der Empörten empört sollte man vielleicht in den eigenen Reihen (und damit meine ich den westlichen Kulturkreis) etwas gelassener mit Satire umzugehen wissen. Der einzige Effekt den Ratzinger mit der Verfügung bewirkt ist eine besonders gut verkaufte Ausgabe des Satiremagazins und ein ein erschreckend weltlichen Bezug zu medialen Herausforderungen zu zeigen. Das sind heute Herausforderungen, in denen man immer besser fährt, wenn man sich gelassen und wohlwollend zeigt. Auch wenn man dies durch blankes Ignorieren bewerkstelligt. 

Ich erwarte von einem Mann im Alter von Herrn Ratzinger kein solches Maß an Kompetenz. Ein Papst sollte theologisches Wissen mit Dialogfähigkeit verbinden. Toleranz und Verständnis für die Welt ausserhalb der christlichen Dreifelderwirtschaft aus Homophobie, Ignoranz und (Schein-) Heiligkeit stächen schon als Ausnahmeerscheinung hervor. Sich nach einem peinlichen Leak noch über einen, meiner Meinung nach nicht mal sehr gelungenen Witz à la “Opa hat das Wasser nicht halten können” zu pikieren wirkt unglaubwürdig, kleingeistig und sogar infantil. Hätte Ratzinger den Spott mit Gelassenheit genommen hätten sicherlich weit weniger Menschen dieses Bild überhaupt zu Gesicht bekommen. Wie es in der Bibel schon heißt: “Unter den Stolzen ist immer Hader.” 

 

Ratzinger macht sich zu einer Figur, die ihr Amt mit unangemessenem Stolz zu tragen scheint. Eine undemokratische Struktur wie die der kath. Kirche, lässt sich nur dann rechtfertigen, wenn das “Oberhaupt” vollends von den “Untertanen” oder einer Ideologie gelenkt wird. Ein Papst sollte meiner Meinung nach nicht um die Stabilisierung seiner Aussenwahrnehmung bemüht sein, sondern die Gläubigen zusammenhalten und ihnen in besonderem Maße Vorbild sein. Hier scheiterte R. heute dramatisch. 

 
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